Familien in Stuttgart

Überleben im Homeoffice

von: am: 29. April 2014

Arbeiten im Homeoffice – das ist doch klasse, sagen viele. Himmlisch, diese Ruhe zu Hause! So kann ich ungestört arbeiten, kann bequeme Kleidung tragen. Keine Kollegen mehr, die ungefragt in mein Büro stürmen und ganz dringend irgendwelche Unterlagen brauchen. Kein Chef, der mehrmals am Tag anruft und an den Abgabetermin erinnert. Und ich kann meine Arbeitszeit frei einteilen. Alles nur Vorteile. Stimmt das wirklich?

Von Herausforderungen und Ablenkungen
Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass es nun ganz andere Herausforderungen wie Dresscode und Störungen gibt. Die Herausforderung im Homeoffice besteht darin, sich selbst zu organisieren. Wann fange ich an zu arbeiten? Macht es Sinn, schon um sieben Uhr morgens am Schreibtisch zu sitzen? Und wann soll ich aufhören zu arbeiten? Mittags? Oder doch erst spät abends?

Und noch etwas, was ich anfangs nicht einkalkuliert hatte: Ablenkungen. Davon gibt es den ganzen Tag lang genug. Jetzt sind es nicht mehr die Kollegen, die ungefragt ins Büro kommen und unbedingt irgendwelche Unterlagen brauchen. Die Ablenkungen kommen jetzt von einer anderen Seite: Nachbarn, Familienmitglieder, Telefonate, Störungen durch Postboten, Handwerker. Schönes Wetter, schlechtes Wetter. Und sollte nicht gerade heute die Wohnung aufgeräumt werden? Ausufernde Pausen und immer wieder die Frage „Wann soll ich eine Pause machen?“ oder „Soll ich überhaupt eine Pause machen?“

Selbstorganisation ist also gefragt. Selbstorganisation – das klingt doch schon wieder nach Struktur, Plan, Vorgaben. Wo bleibt da die Freiheit im Homeoffice? So dachte ich anfangs. Bis ich merkte, wie ich ohne Selbstorganisation plötzlich rund um die Uhr arbeitete. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Tageszeiten waren auf einmal fließend und ich merkte gar nicht mehr, wie der Tag verging. Und am Ende des Tages die Frage: was habe ich heute den ganzen Tag lang gemacht? Ja, gearbeitet. Aber wo war das Ergebnis? Auf die Dauer doch frustrierend. Also musste ein Plan her. Aber einer, der Spaß macht, für mich passt und mich nicht von der Arbeit abhält, weil er so kompliziert ist.

Beruf und Familie – unvereinbar?
Zugegeben – ein schwieriges Thema. Über nichts wurde in letzter Zeit so häufig diskutiert. Ergebnisse? Lösungen? Die lassen auf sich warten. Was also tun? Sich selbst einen Plan schaffen, der zu einem passt.
Ich habe für mich den 20 Minuten Plan entdeckt. Das heißt jetzt nicht, dass ich nur noch 20 Minuten am Tag arbeite. Nein, ich teile meine Aufgaben, meine Projekte in 20 Minuten-Blöcke ein. In diesen 20 Minuten bin ich voll und ganz auf meine Aufgabe konzentriert. Nach den 20 Minuten voller Konzentration mache ich eine kurze Pause. Die Betonung liegt auf kurz. Die Pause dauert genau 5 Minuten. In dieser Zeit trinke ich eine Tasse Kaffee, führe ein privates Telefonat, setze mich kurz auf den Balkon.

Dann geht’s weiter mit den nächsten 20 Minuten voller Konzentration bis zur nächsten Pause. Dadurch bekommt mein Tag Struktur, ich sitze nicht endlos an Aufgaben, die mir die Energie rauben. Mit dieser Tagesplanung schaffe ich mir auch Zeitinseln für meine Familie, für Freunde. Denn ich kann so abschätzen, wie viel Zeit ich für ein Projekt brauche. Zugegeben – eine unkonventionelle Art der Tagesplanung, die sich aber auch schnell auf unvorhersehbare Situationen anwenden lässt.

Und zu guter Letzt noch die 7 Prinzipien für Ihren erfolgreichen Tagesplan

1) Haben Sie Spaß an dem, was Sie tun

2) Erledigen Sie Ihre Aufgaben zielgerichtet

3) Konzentrieren Sie sich auf die wichtigsten Dinge

4) Jede Aktivität bringt Sie näher an Ihr Ziel

5) Vermeiden Sie Ablenkungen

6) Schieben Sie nichts auf

7) Ganz wichtig: Bleiben Sie gelassen!

Petra Klein lebt und arbeitet als freiberufliche Autorin und Coach für Büroorganisation in München. Ihre Leidenschaft sind Schreibtische, denn: Schreibtische erzählen viele Geschichten.
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Zuletzt geändert am: 29. April 2014