Familien in Stuttgart

Muttertag

von: am: 6. Mai 2014

Als Kind war es für mich und meine Geschwister Ehrensache, unsere Mutter am Muttertag mit einem kleinen Geschenk zu überraschen. Egal ob ein liebevoll vorbereitetes Frühstück, ein Blumenstrauß, ein selbstgebackener Kuchen oder als wir älter waren ein selbst gekochtes Festtagsessen – wir waren an diesem Tag voll engagiert.

Nachdem ich selbst Mutter geworden bin, war ich gespannt, wie ich meine Muttertage verbringen werde. Ganz besonders freute ich mich über die im Kindergarten oder in der Grundschule gebastelten Herz-Kunstwerke und die mit angestrengter Kinderhand in Schönschrift geschriebenen Muttertagsgedichte!

Doch wenn ich ehrlich bin: Im Grunde meines Herzens bin ich eine Muttertagsgegnerin. Denn was wir Mütter und im Übrigen auch Väter für unsere Kinder leisten, ist nicht nur einen Gedenktag im Jahr wert – der zudem kommerziell ausgeschlachtet den Umsatz von Floristen, Süßwaren- und Schmuckbranche ankurbelt. Ach so, das berühmt berüchtigte Parfüm natürlich nicht zu vergessen.

Doch wie kam es eigentlich zu diesem Festtag am zweiten Sonntag im Mai?

Schon im alten Griechenland wurde die Göttin Rhea als Mutter aller Gottheiten und Göttinnen verehrt. Und so wurde ihr zu Ehren regelmäßig ein großes Frühlingsfest (an den Iden des März) gefeiert.

In England wurde ab dem 13. Jahrhundert am dritten Sonntag vor Ostern der sogenannte „mothering sunday“ auf Wunsch des damaligen Königs Heinrich III.(1216-1279) eingeführt, um als Christen der „Mutter Kirche“ bei einem Gottesdienst zu danken. Später entwickelte sich dieser Tag in England auch zum Festtag für die Mütter. An diesem Tag kamen die erwachsenen Kinder nach Hause, um die Mutter zu ehren und ihre Leistung zu würdigen. Erstmals ist dies 1644 in einer Urkunde erwähnt. Traditionsbewusst feiern die Engländer bis heute den Muttertag am dritten Sonntag vor Ostern.

Doch zumeist wird die Einführung des Muttertags mit der amerikanischen Frauenbewegung in Verbindung gebracht. Marie Reeves Jarvis initiierte 1865 in den USA einen Mothers Friendship Day. Bei den dafür organisierten Treffen tauschten sich Mütter zu aktuellen Fragen aus. Nur kurze Zeit später, 1872, forderte die amerikanische Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Julia Ward Howe, dass den amerikanischen Müttern ein offizieller Feiertag gewidmet wird, jedoch zunächst ohne Erfolg. Diese Idee griff die Tochter von Marie Reeves Jarvis, Anna Maria Reeves Jarvis, 1907 wieder auf und veranstaltete am 9. Mai, am 2. Todestag ihrer Mutter, ein „Memorial Mothers Day Meeting“. Dabei verteilte sie zur Erinnerung an ihre verstorbene Mutter Blumen (500 weiße Nelken) an andere Mütter. Die Idee des Muttertags wurde anschließend in verschiedenen Bundesstaaten der USA übernommen, bis der amerikanische Präsident Woodrow Wilson 1914 den Muttertag zum nationalen Feiertag erklärte. Der US-Kongress bestimmte, dass dieser Tag am zweiten Sonntag im Mai gefeiert wird. Nur wenige Jahre später wurde dieser Brauch auch in Europa eingeführt: 1917 in der Schweiz, 1918 in Norwegen, 1919 in Schweden. 1922 in Deutschland und 1924 in Österreich.

In Deutschland wurde der Muttertag 1922 vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber aufgegriffen und erfolgreich eingeführt.
Während des Dritten Reichs haben die Nationalsozialisten diesen Tag für ihre Ideologie missbraucht und den Muttertag 1933 in den „Gedenk- und Ehrentag für deutsche Mütter“ umbenannt. In dieser Zeit zählte man als gute Mutter, wenn man für den Staat viele arische Kinder zu Welt brachte und sich als „bürgerliche Hausfrau“ aufopfernd um die Familie sorgte. Als Mutter von mindestens vier Kindern erhielt man eine Auszeichnung, das sogenannte Mutterkreuz.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Muttertag von den in Deutschland stationierten US-Amerikanern 1949 neu belebt und eingeführt. In den ehemaligen Ostblockstaaten und der DDR hingegen feierte man unter dem Einfluss der Sowjetunion anstelle des Muttertags am 8. März den Internationalen Frauentag . Erst nach der Wiederverreinigung 1990 hat sich der Muttertag ebenso im Osten Deutschlands etabliert.

Weltweit wird der Muttertag in ca. 70 Ländern gefeiert, auch wenn es beim Datum und der Art und Weise, wie gefeiert wird, Unterschiede gibt. Letztendlich bleibt es uns Familien selbst überlassen, am kommenden 11. Mai einen schönen Tag miteinander zu gestalten – und das ist trotz der übersteigerten, kommerziellen Vermarktung doch etwas Schönes – und nicht nur am Muttertag!

Und liebe FamilienblogleserInnen, wie feiern Sie den Muttertag am kommenden Sonntag? Vielleicht haben Sie einen Ausflugs- oder Geschenk-Tipp für noch unentschlossene Familien parat?

Quellen und weitere Informationen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Muttertag
www.helles-koepchen.de/geschichte_des_muttertags.html
www.frankfurt-interaktiv.de/specials/muttertag/muttertag_2.html

http://www.muttertagssprueche.com/

Michaela Haassengier arbeitet als Sozialpädagogin im Kinder- und Familienzentrum Wilde Hilde. Sie ist Mutter von 2 Kindern.
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Zuletzt geändert am: 29. April 2015