Familien in Stuttgart

„Also ich muss sagen, seit wir dieses Tablet haben […], ist es schon so das Hauptding, was ich immer wieder zur Hand nehme. Weil es eben einfach so praktisch ist“. Eine Mutter von zwei Kindern im Alter von sieben und zehn Jahren bringt es auf den Punkt, warum Smartphone und Tablet sich in den letzten Jahren in vielen Familien einen festen Platz ergattert haben. Die Eltern finden es praktisch, sich hier schnell mal über aktuelle Neuigkeiten zu informieren, kurz etwas nachzuschauen, sich zu verabreden, ein Geburtstagsgeschenk zu besorgen … Vor allem das Smartphone ist damit ein ständig präsenter Begleiter im Alltag. Das ist es auch für ihre Kinder – auch wenn die in erster Linie ‚zocken‘, sich über WhatsApp mit ihren Freundinnen und Freunden austauschen oder ihre YouTube-Stars verfolgen.
Die ständige Verfügbarkeit der mobilen Medien, die einerseits so praktisch ist, stellt viele Eltern aber auch vor neue medienerzieherische Herausforderungen.

„… der soll ja nicht dann der Uncoole sein“
Dass Kinder ihr eigenes Smartphone haben müssen, steht für die meisten Eltern außer Frage. Sie wollen ihre Tochter oder ihren Sohn nicht dem sozialen Druck aussetzen, die oder der Einzige in der Gruppe ohne ein (internetfähiges) Handy zu sein. Sie befürchten, dass ihr Kind damit aus der Gruppenkommunikation ausgeschlossen wäre und zum Außenseiter werden könnte. Viele Eltern machen sich jedoch Gedanken darüber, wann der richtige Zeitpunkt für ein eigenes Handy ist. Dieser scheint dann gekommen zu sein, wenn das Kind auf eine weiterführende Schule wechselt. Oft ist damit ein längerer Weg verbunden und die Kinder sind öfters allein unterwegs. Den Eltern ist es wichtig, dass sie dann für ihre Kinder erreichbar sind wie auch, dass sie selbst diese erreichen können.

„Wenn sie Freizeit hat, dann verbringt sie die fast zu hundert Prozent mit dem Smartphone“
Während die Möglichkeit, mit ihren Kindern in Kontakt treten zu können, für viele Eltern der Hauptgrund ist, warum sie ihren Kindern ein Handy anschaffen, steht für die Kinder anderes im Vordergrund. Manche Eltern stellen fest, dass sie ihre Töchter und Söhne nun genauso wenig erreichen wie davor. Und das, obwohl diese ihre Geräte scheinbar ununterbrochen in Gebrauch haben. Mit der ständigen Nutzung verbinden viele Eltern die Sorge, dass die virtuelle Welt zu viel Bedeutung bekommt und ihre Kinder den Bezug zur realen Welt verlieren. Sie befürchten schlechtere schulische Leistungen, den Verlust von Kontakten zu Freundinnen und Freunden und letztendlich die Gefahr einer Abhängigkeit oder Sucht. Somit ist es die größte Herausforderung aus Sicht der Eltern dafür zu sorgen, dass ihre Kinder die mobilen Medien in einem zeitlich sinnvollen Rahmen nutzen. Weitere Schwierigkeiten sehen Eltern darin, ihre Kinder vor Konflikten und Mobbing in sozialen Netzwerken zu schützen und sie zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit den eigenen persönlichen Daten wie auch mit jenen anderer zu erziehen.

„Es gibt ja da keine klaren Regeln“
Um Kinder dabei zu unterstützen, einen souveränen Umgang mit den mobilen Medien zu entwickeln, sind klare Regeln und Vereinbarungen notwendig. Den Eltern fällt es jedoch schwer, sinnvolle und im Alltag umsetzbare Abmachungen mit ihren Kindern zu treffen. Zum einen fehlt es ihnen dafür an eigener Erfahrung im Umgang mit den mobilen Geräten, zum anderen gibt es aber auch keine allgemeingültigen Anhaltspunkte. Deshalb stellt jede Familie ihre eigenen Regeln auf, läuft damit aber auch Gefahr, mit der Familie des besten Freundes zu konkurrieren.
Die Eltern stellen fest, dass ihnen notwendige Kenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit den mobilen Medien fehlen und wünschen sich deshalb Unterstützung unterschiedlicher Art:

  • An erster Stelle steht dabei der Wunsch nach einer aktiven Auseinandersetzung mit den mobilen Medien in der Schule.
  • Von Expertinnen und Experten erwarten sie eine klare, kritische Haltung sowie konkrete Anregungen und Hinweise, die sich im Familienalltag umsetzen lassen.
  • Informationsmaterialien müssen gut aufbereitet sein, einen schnellen Überblick liefern und anschauliche Beispiele enthalten und
  • Eltern wünschen sich handhabbare technische Schutzvorkehrungen.
  • Ausführliche Informationen zur Studie „MoFam – Mobile Medien in der Familie“ des JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis München, die auch die Sicht von Fachkräften der Erziehungsberatung enthält, stehen unter http://www.jff.de/jff/aktivitaeten/forschung/artikel/art/studienergebnisse-mobile-medien-in-der-familie-mofam/ zum Download zur Verfügung.

    Susanne Eggert
    Die Autorin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis.

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Zuletzt geändert am: 5. August 2016