Familien in Stuttgart

Mehr Genuss durch Fastenzeit

von: am: 13. März 2015

Mehr Genuss durch Fastenzeit!

Diese Überschrift mag sich zunächst befremdlich anhören, da Fasten ja mit (freiwilligem) Verzicht verbunden ist. Und das klingt nach vielem – nur nicht nach Genuss. Dass Verzicht und Genuss aber nicht von vorneherein Gegensätze sein müssen, zeigt sich jedes Jahr in der Fastenzeit – zumindest bei uns. Die Fastenzeit dient der Vorbereitung auf Ostern, wird aber inzwischen auch von nicht religiös gebundenen Menschen angenommen – und das mit einer großen Bandbreite: Manche verzichten zum Beispiel auf Auto fahren, andere auf Alkohol, Rauchen oder Süßigkeiten.

Am Aschermittwoch ist das allseitige Wehklagen groß: Über sieben Wochen gibt es in der Regel keine Süßigkeiten und für die Eltern keinen Alkohol. Die Kinder können auch „tauschen“ und statt auf Süßigkeiten wochenweise z.B. auf Elektronik verzichten (bedeutet aber das volle Programm: Kein Handy, kein Fernsehen und kein PC).

Diese Aussichten sind also alles andere als genussvoll. Allerdings ergeben sich daraus interessante „Alternativen“. Anstatt nach dem Abendessen stumpf zum Süßigkeitenschrank zu laufen, um eine Tafel Schokolade zu holen, denken wir schon nachmittags darüber nach, wer welchen Nachtisch zaubern könnte. Das kann auch „nur“ ein Pudding oder ein Fruchtquark sein, Hauptsache selbstgemacht.

Ähnliches war auch in der Woche zu verzeichnen, als die Kinder auf Elektronik verzichteten. Statt nach dem Essen automatisiert Wickie anzuschalten oder sich das Handy zum Zocken zu schnappen, suchen sie immer wieder im Spieleschrank und ziehen so manches Spiel heraus, das längst vergessen war. Und als der 14-jährigenohne WhatsApp langweilig war und sie keine Lust auf Spiele hatte, beschloss sie, das Frühstück mit einem Hefezopf zu bereichern und stellte sich in die Küche zum Backen.

Deshalb ist es natürlich so, dass Fastenzeit Verzicht heißt und das ist manchmal gar nicht schön (z.B. ist ein gemütliches Abendessen mit Rotwein eben noch gemütlicher). Aber es zeigt sehr deutlich auf, wo sich Routinen eingeschlichen haben, die auch nicht genussvoll sind. Diese teilweise unguten Routinen werden in einer Fastenzeit schonungslos aufgedeckt und es werden sogar Alternativen sichtbar, diese zu überwinden. Und dann wird aus dem Verzicht der Genuss der Veränderung.

Und über die ganze Fastenzeit steigt die Vorfreude auf die ersten Schoko-Ostereier und das erste Glas Wein an Ostern! Und wir können sagen: Die schmecken noch besser als sonst! Und das kleinste Stückchen Schokolade, das sonst einfach so in den Mund gesteckt wird, ist auf einmal zu etwas Besonderem geworden, das sehr wert geschätzt wird.

Optimal wäre es, wenn sich ein paar dieser positiven Effekte in den Alltag retten lassen würden. Wir müssen für die letzten Jahre aber leider festhalten, dass spätestens nach zwei Wochen die Kinder auf dem Weg zum Fernseher noch schnell als Familiennachtisch eine Tafel Schokolade aus dem Schrank geholt haben. Aber immerhin gibt es eine Vorstellung, dass es auch anders sein könnte. So ist unsere Bilanz, dass die Fastenzeit zwar nicht geliebt ist, aber das Zusammenleben bereichert. Zumindest zeitweise.

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Zuletzt geändert am: 13. März 2015