Familien in Stuttgart

Kleinkindpädagogik nach Emmi Pikler

von: am: 22. April 2014

Sind Sie auf der Suche nach einem Krippenplatz für Ihr Kind auch auf verschiedenste Konzepte und Pädagogen gestoßen?

Die „Kleine Hilla“, die sechs Krippengruppen der „Wilden Hilde“ in Stuttgart Mitte, haben ihren Tagesablauf nach dem Konzept von Emmi Pikler ausgerichtet, welches hier kurz vorgestellt werden soll.

Emmi Pikler steht für eine achtsame Haltung dem Kind gegenüber ab Geburt. Jedes Kind soll sich angenommen und anerkannt fühlen.

Emmi Pikler war eine ungarische Kinderärztin, die 1902 in Wien geboren wurde. 1946 gründete sie das Säuglingsheim Lóczy und leitete es bis 1979, ihre Tochter Anna Tardos übernahm später die Heimleitung.

Das Heim wurde zu einem international anerkannten Institut durch die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Beiträgen und Fachbüchern sowie die Resultate bei der Verhütung von Hospitalismus.

Emmi Piklers Ziel war es, den Kindern eine gesunde Entwicklung zu bereiten. Sie hatte bereits bei der Erziehung ihrer Tochter gemerkt, dass Kinder nicht zu Bewegungen oder zum Spiel animiert werden müssen.

Das Spiel sollte frei, ungestört und eigenständig in einer geschützten und altersgemäß ausgestatteten Umgebung stattfinden können. In den Krippengruppen der Kleinen Hilla wird dafür der Raum durch Gitter eingeteilt. Mag auf den ersten Blick komisch oder sogar befremdlich wirken, bringt aber viel Ruhe in den Krippenalltag.

Anja Weller, Erzieherin in der Kleinen Hilla bestätigt: „Durch die Abtrennung des Raumes durch die Gitter ermöglichen wir den Kindern ein ungestörtes Spiel und geben dem Kind das Spielmaterial, was es für seine Entwicklung braucht.“

Damit spricht Frau Weller weitere wichtige Punkte des pädagogischen Ansatzes von Emmi Pikler an: Die Eltern oder Erzieher bereiten dem Kind eine Umgebung vor, die seinen aktuellen Bedürfnissen entspricht. Dafür bedarf es genauester Beobachtung des Kindes. Damit sich das Kind weitestgehend selbstständig entwickeln und seine Individualität entfalten kann, braucht es gesicherte Beziehungen. Jedes Kind hat außerdem seine eigenen Entwicklungsschritte und sein eigenes Entwicklungstempo.

Weiter Anja Weller: „Besonders gefiel mir der liebevolle und respektvolle Umgang mit den Kindern, die individuelle Betrachtung jedes einzelnen Kindes und die Begegnung auf Augenhöhe.“ Dazu gehört z. B., dass sich die Erzieher viel Zeit für die Pflege, wie Windeln wechseln, nehmen. Das Kind wird nach eigenem Wunsch an der Pflege beteiligt und die Kleinkinder im Stehen gewickelt. Auch bei den Mahlzeiten, die die Kinder in kleinen Gruppen einnehmen, spiegelt sich der intensive Kontakt mit den Erziehern wider.

Liebe Eltern, welche Erfahrung haben Sie und Ihre Kinder in der Krippe gemacht? Wie finden Sie das pädagogische Konzept von Emmi Pikler und die Umsetzung in der Kinderkrippe?

Im Pikler-SpielRaum haben Sie die Möglichkeit, die Eigenaktivität ihrer Kinder zu beobachten und kennenzulernen. Über das KiFaZ Wilde Hilde – IN VIA Kinder- und Familienzentrum, werden SpielRaum-Kurse nach der Pädagogik von Emmi Pikler angeboten. Der aktuelle Kurs ist ausgebucht. Neue Kurse werden nach den Sommerferien angeboten.

Informationen über Anja Weller

Unten finden Sie einen Film zur Umsetzung des pädagogischen Konzepts von Emmi Pikler in den Krippengruppen der Kleinen Hilla.

Literaturempfehlungen:
Emmi Pikler, Anna Tardos: Laßt mir Zeit: Die selbständige Bewegungsentwicklung des Kindes bis zum freien Gehen. Untersuchungsergebnisse, Aufsätze und Vorträge aus dem Nachlass zusammengestellt und überarbeitet. Pflaum, München 2001 (3. Auflage).

Emmi Pikler: Friedliche Babys – zufriedene Mütter: Pädagogische Ratschläge einer Kinderärztin. Herder 2009, 4. Auflage.

Quellen und weitere Informationen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Emmi_Pikler
http://www.pikler.de/data/konzept.html
http://www.pikler-hengstenberg.at/emmi_pikler/anfaenge.htm

Bettina Malek ist Mutter von zwei Töchtern im Alter von 1 und 4 Jahren, die beide die Wilde Hilde bzw. Kleine Hilla besuchen.
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Zuletzt geändert am: 15. April 2015