Familien in Stuttgart

Mit dem Beschluss über den neuen Haushalt wird der Gemeinderat von Stuttgart aller Voraussicht nach ein bundesweit beachtetes Modell de facto in die Tonne treten. Die Förderung von Kinder- und Familienzentren wird in Stuttgart so heruntergeschraubt, dass von Unterstützung schon kaum mehr die Rede sein kann. Und das Unerklärliche: Eigentlich gibt es niemanden, der die Arbeit der KiFaZe ernsthaft kritisiert. Sie wird allseits gelobt ob der positiven Effekte, die erzielt werden konnten. Und ebenfalls rätselhaft: Es ist kaum zu rekonstruieren, wer die Entscheidungen gefällt hat, ein Modellprojekt nach erfolgreicher Installierung de facto abzuwürgen, bevor richtig durchgestartet werden konnte.

Doch der Reihe nach: Im Jahre 2012 wurden die ersten Modellprojekte für Kinder- und Familienzentren eingerichtet. Diese sollten an Kindertagesstätten angesiedelt sein und Eltern in ihrer pädagogischen Arbeit unterstützen – durch zusätzliche Angebote und konkrete Unterstützung bei Problemen der Eltern. Die Stadt bezuschusste die Stellen und es war erklärter Wille der Stadtspitze, dass es die KiFaZe in Zukunft flächendeckend mit ordentlicher Finanzierung geben solle.

Schnell stellte sich heraus, dass die Arbeit sehr gut angenommen wurde. Gerade Eltern, die selber in Schwierigkeiten steckten oder die Probleme in der Erziehung ihrer Kinder hatten, fanden in den KiFaZen eine Anlaufstelle, an die sie sich wenden konnten. Es wurden zudem inhaltliche Angebote zu Erziehungsfragen gemacht, bei denen sich Mütter und Väter über ihre Probleme austauschen konnten und in denen Wissen vermittelt wurde. Dies war besonders für Eltern mit Migrationshintergrund wichtig, die oft auch noch mit den deutschen Behörden überfordert sind und über jede Hilfe froh sind.

Wir fassen zusammen: Gelungener Modellversuch, hoher Nutzen, gut für die Integration von benachteiligten Familien, engagierte Träger, gutes Personal und hohe politische Wertschätzung. Die Planungen für den Übergang in eine Regelfinanzierung liefen. Da kam es aus un-heiterem Himmel: Kurz vor der Verabschiedung des Haushalts wurde die Regelfinanzierung gekippt. Warum bleibt im Dunkeln – es ließ sich munkeln über „Gesamtpakete“ um unschöne Worte wie „Kuhhändel“ zu vermeiden.

Danach ging es nur noch bergab. Wo vorher Fördersummen im Raum standen, die zur Finanzierung von eigenem Personal gereicht hätten (was auch notwendig wäre) ist jetzt noch von 10.000 Euro pro Jahr die Rede – und wir sprechen hier über Kinder- und Familienzentren, die aus städtischer Sicht seit drei Jahren als „in der Startphase“ definiert werden. Und parallel zu den Kürzungen wurden auch noch die Kriterien umdefiniert, soll heißen „verschärft“. Es ist also deutlich schwieriger, an eine Förderung zu kommen, die dann auch noch deutlich geringer ausfällt.
Dieser Vorgang ist in mehrfacher Hinsicht ärgerlich. Zum einen ist es vergeudete Energie, mühsam Modellprojekte aufzubauen und sie dann am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen. Dann ist es ärgerlich, dass es ausgerechnet ein Projekt trifft, das Familien unterstützt. Wo sonst so viel von Familienförderung die Rede ist. Und es ist kaum auszuhalten, dass die Angebote der Kinder- und Familienzentren vor allem benachteiligten Familien zugutegekommen sind – ohne zu stigmatisieren. Und genau da wird gestrichen. Und nachher wieder von Integration geredet.

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Zuletzt geändert am: 18. Dezember 2015