Familien in Stuttgart

Faschingstraditionen in Stuttgart

von: am: 4. Februar 2016

Am Donnerstag startet für alle Faschings- und Fasnets-Freunde der Endspurt der närrischen Zeit, bevor am Aschermittwoch die Fastenzeit anfängt. Dieser Tag wird im Karneval „Altweiberfasnacht“ und in der schwäbisch-alemannischen Tradition der sogenannten als „Schmotzge Donnerstag“ bezeichnet.

In Stuttgart beginnt die Zeit des närrischen Treibens einerseits am offiziellen Faschingsbeginn, dem 11.11. um 11:11 Uhr mit der Eröffnung der Saison am Stuttgarter Rathaus durch das Festkomitee der Stuttgarter Karnevals- und Faschingsgesellschaften und einem der Stuttgarter Bürgermeister.

Zum anderen fängt die Fasnets-Zeit für die Anhänger der schwäbisch-alemannischen Fasnet nach den weihnachtlichen Festtagen am Dreikönigstag, dem 06.01. an. An diesem Tag findet das sogenannte Abstauben der Masken und des Häs statt, der traditionellen Verkleidung, die die Vereinsmitglieder während der Umzüge tragen. In den meisten Fasnets-Vereinen dürfen nur diejenigen, die beim Häs-Abstauben dabei waren, auch bei den Umzügen mitlaufen.
Der größte Fasnets-Umzug Stuttgarts und Umgebung findet traditionell am Faschingsdienstag in Stuttgart-Hofen statt. Nahezu parallel startet der große Faschingsumzug in der Stuttgarter Innenstadt. Warum aber zwei große Umzüge? Und was unterscheidet beide Faschingstraditionen voneinander?

Karneval und Fasching wurde traditionell in katholischen Orten gefeiert, um verderbliche Lebensmittel aufzubrauchen bevor die Fastenzeit beginnt und nochmals ordentlich zu feiern. Zunächst gab es nur Verkleidungen wie Teufel und Narr, um gegen die katholische Kirche zu „rebellieren“. Im 18. Jahrhundert kamen dann romantische Kostüme hinzu und lösten die ursprünglichen Kostümierungen ab. Zudem wurde von Zeit zu Zeit auch in protestantischen Orten Karneval gefeiert. Inzwischen gibt es, was die Verkleidungen angeht, keine Grenzen mehr. Von Prinzessinnen über Cowboys, Marienkäfer und Katzen bis hin zu Pipi Langstrumpf oder Batman sind alle Kostümierungen zu sehen. Und auch der Fasching hat mit Veranstaltungen allen Ortens Einzug gehalten.

Bereits 1897 wurde der erste Umzug in Stuttgart von 15 Möblern durchgeführt, woraufhin sich kurze Zeit später die Karnevalsgesellschaft Möbelwagen e.V. gegründet hat. Während der Zeit des Ersten Weltkriegs und der Nazizeit gab es keinen Fasching mehr, bis 1954 die Möbler wieder mit Umzügen anfingen. Umzugswägen gehören seitdem zum Bild des Umzugs ebenso dazu wie Fußgruppen, die sich teils zu einem bestimmten Motto verkleiden oder einfach nur kunterbunt verkleidet beim Zug mitlaufen.

Als schwäbisch-alemannische Fastnacht wird der Fasching im südwestdeutschen Raum bezeichnet. Neben dem ältesten Stuttgarter Fasnetsverein, den Küblern aus Bad Cannstatt, gibt es u.a. auch die Scillamännle aus Stuttgart-Hofen.
Die Hofener Fasnet geht zurück bis vor das 19. Jahrhundert. Damals gehörte dieser Ort den Herren von Neuhausen auf den Fildern. Diese waren katholisch und damit auch die Bevölkerung von Hofen. Seit 1925 haben örtliche Vereine dort entgegen dem Fasching in Stuttgarts Innenstadt traditionell schwäbisch-alemannisch gefeiert. Der dortige Fasnetverein gründete sich zwar erst im Jahr 1985, pflegt aber das Brauchtum der Fasnet seit seiner Gründung. Die Maskenträger stellen mit ihrem ganzen Häs ein Abbild der Scillablume dar die im Hofener Scillawald sehr häufig zu finden ist. Sie ist eine der früh blühenden Blumen im Frühjahr und verkündet so das Ende des Winters. Eine freundlich dreinblickende Holzmaske ist zentraler Bestandteil des Häs. Die Scillamännle sind somit keine Schreckgestalten oder Phantasiefiguren sondern stellen Bodenständigkeit, Brauchtum und Heimatpflege dar. Heute umfasst der Verein knapp 300 Mitglieder und gliedert sich auf in Maskenträger, Scilla-Guggamusik und Tanzgarden mit Gruppierungen unterschiedlichen Alters.

Der Fasnets-Umzug, zu dem meist 80 Gastgruppen mit über 1500 Personen teilnehmen, beginnt am Fasnetsdienstag um 13.00 Uhr und zieht durch den Altort. Besucher fahren mit der U 14 oder der Buslinie 54 zu den Haltestellen Max-Eyth-See oder Hofen. Es gibt P+R Parkplätze an der Haltestelle Wagrainäcker an der Mühlhäuser Straße. Um einen Unkostenbeitrag zur Straßensperrung und zur Reinigung der Straßen von 2,- Euro wird gebeten. Anschließend wird im Ort noch gefeiert.

Der Faschings-Umzug in der Innenstadt beginnt am Dienstag, 9. Februar, um 14 Uhr an der Kronenstraße und führt über Lautenschlager- und Bolzstraße, Schlossplatz/Königsbau, Planie, Straße Am Karlsplatz, Münzstraße, Marktplatz, Markt- und Eberhardstraße sowie Tübinger Straße. Der Umzug löst sich auf Höhe Silberburg-/Fangelsbachstraße auf.
Allen Närrinnen und Narren noch schöne närrische Tage! Helau und Narri-Narro!

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Zuletzt geändert am: 4. Februar 2016