Familien in Stuttgart

Familien empört euch!

von: am: 19. März 2014

Vor kurzem hat eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ein weiteres Indiz für die These geliefert, dass Familien in unserem reichen Land strukturell benachteiligt werden. Dieses Mal in der Rentenversicherung: Eltern müssen mindestens so lange die Kinder klein sind, ihre Berufstätigkeit einschränken. Dadurch verdienen sie weniger, was sich später auch in einer niedrigeren Rente bemerkbar macht. Zudem müssen sie Aufwendungen für ihre Kinder aufbringen, die staatliche Leistungen wie Kindergeld und andere Unterstützungen weit übersteigen. Deshalb bleibt im Vergleich zu kinderlosen Paaren weniger Raum für den Aufbau von Vermögen oder eine private Altersvorsorge. Wir wollen mal gar nicht davon reden, dass viele der Mütter und Väter einen Karriereknick in Kauf nehmen, indem sie im Alter zwischen 25 und 45 im Beruf kürzer treten.

Zu diesem nüchternen Befund gesellt sich die Erkenntnis, dass ein junger Mensch heute im Durchschnitt weit mehr in die Rentenversicherung einzahlt, als er oder sie als Rente bekommen wird, da die Zahl der Empfänger bis zum Jahr 2030 stark steigen wird, während die Zahl der Einzahlenden stark zurückgeht. So werden diejenigen, die das Rentensystem aufrechterhalten, doppelt benachteiligt.

Also wie so oft: Ernüchternde Zahlen beklagen eine Benachteiligung von Familien. Politiker/-innen zeigen sich betroffen, die zuständigen Verbände fordern endlich Entlastungen (Link hier)  und es passiert … Nichts! Schnell wird von einer Neiddebatte gesprochen und davon, dass es ja viele Paare gebe, die gerne Kinder hätten. Und nach diesen Totschlagargumenten wenden sich wieder alle der Tagesordnung zu.

Beispiel Rente: Das Bundessozialgericht hat 2001 entschieden, dass Eltern, die Kinder erziehen, einen Kinderfreibetrag für die Sozialsysteme bekommen sollen. Wer Kinder erzieht, soll weniger Geld in die Rentenkasse einzahlen müssen, da es ja die Kinder sind, die das System auf Dauer erhalten. Und was ist seit diesem höchstrichterlichen Urteil geschehen? So gut wie nichts. Die Mütterrente wurde eingeführt, die jeder Frau, die vor 1992 ein Kind zur Welt gebracht hat, pro Kind 28 (!) Euro mehr Rente zubilligt. Die aktiven Eltern, die sowohl für Kinder als auch für die ältere Generation sorgen, wurden nicht entlastet.

Und was am meisten erstaunt: Familien wehren sich nicht. Es gelingt in der Politik, die milliardenschwere Mütterrente durchzusetzen oder die ebenfalls teure Rente mit 63 Jahren (Link hier). Wohlgemerkt: Vielleicht sinnvoll und gerecht, aber zu zahlen von den jetzt Jungen zugunsten der älteren Menschen. Dagegen sind Änderungen im Rentensystem zugunsten von Familien politisch nicht durchsetzbar, obwohl sogar höchste Gerichte dies verlangen.

Dies liegt entweder daran, dass Eltern zu beschäftigt sind, sich für solche Dinge zu interessieren. Wer nach einem Arbeitstag noch Kinder versorgt und den Haushalt regelt, tut sich schwer, noch aktiv zu werden. Das spiegelt sich auch in der Politik. Dort werden Karrieren in vielen Abendsitzungen entschieden. Wer viel Präsenz zeigt und gut vernetzt ist, hat bessere Chancen, für aussichtsreiche Plätze nominiert zu werden. Und deshalb sind in den Parlamenten und Gremien aktive Eltern in der Minderheit. Und das wirkt sich auch auf Politik aus. Da ist auch die „Vorzeigemutter der Nation“, Frau von der Leyen, kein Trost, da ihre Verhältnisse nun nicht gerade verallgemeinerbar sind.

Deshalb bleibt nur eins, liebe Eltern. Ihr müsst euch jetzt auch mal empören und mal so richtig auf den Putz hauen. Denn nur dann besteht die Chance, dass sich was ändert. Also: aufregen, Aktionen überlegen, raus gehen, Demos organisieren, … das ganze Programm eben. Verstanden? Also los jetzt – wenigstens ein bisschen…

Jochen Mack ist freiberuflicher PR-Berater und Vater von vier Kindern. Politisch aktiv bei den Grünen in Augsburg aber nicht Kandidat oder in einer gewählten Funktion.
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Zuletzt geändert am: 19. März 2014