Familien in Stuttgart

So fängt er an, der Rottweiler Narrenmarsch, der an Fasnet unzählige Male gespielt wird. Und in der Tat, wer zur Rottweiler Fasnet will, die sollte früh aufstehen! Montags und Dienstag Schlag acht Uhr beginnt der Narrensprung. Ein Juzgen geht durch die Zuschauerreihen und aus dem schwarzen Tor kommen die Reiter, die den Sprung anführen und dahinter die Jugendkapelle (Nein, die spielen nicht den Narrenmarsch, sondern den Altjägermarsch). Dann ziehen Till Eulenspiegel und der Lange Mann mit dem quirligen Narrensamen die Stadt hinunter. Die ersten Rößle stürmen durch das Tor:“Komm ssa ssa“ locken die beiden Treiber und lassen ihre Peitschen klepfen – das hallt so ganz wunderbar! Und das Rössle in der Mitte vollführt wilde Sprünge oder kokettiert mit dem Publikum – und achtet darauf, dass seine Feder am Kopf nicht von den Peitschen der beiden Treiber heruntergeschlagen werden. Jetzt kommt der Narrenengel, der auf seiner Tafel das Motto der Fasnet „Niemand zu Leid – Jedem zur Freud“ trägt. Danach die Stadtkapelle – ja, sie spielt den Narrenmarsch!

Und jetzt endlich erschienen sie: die Rottweiler Narren, bunt gemischt strömen sie aus dem Schwarzen Tor und begrüßen die Zuschauer mit ihrem Juzgen: „Hu-Hu-Hu“. Schön geschnitzt sind ihre Larven, kunstvoll bemalt und genäht die Narrenkleider. Federahannes, Schantle, Biss, Gschell, Fransenkleidle, hundertfach und doch jedes Kleidle ein Einzelstück , jede Larve ein handgeschnitztes Unikat. Die Federahannes pinseln mit ihren parfümierten Kalbsschwänzchen das Publikum, und wer nicht aufpasst, sieht seinen Hut weit oben auf der farbigen Stange entschwinden… Die schweren Glocken von Biss und Gschell mit ihrem vollen Klang mischen sich mit den helleren Glöckchen des Fransenkleides und dem Narrenmarsch zur Lieblingsmusik der Rottweiler. Und dazwischen der Schantle, der majestätisch humpelnd mit seinem Schirm daherschreitet.

Kennt ein Narr einen Zuschauer, kommt er her: „Komm, du derfsch amol schnupfa“. Die Schnupfdose ist eine Schachtel, oft an sich schon ein Kunstwerk, und der Angesprochene darf sich eine der süßen Leckereien daraus nehmen. Manchmal erzählt der Narr noch etwas, nimmt sein Gegenüber liebevoll auf die Schippe oder zeigt sein Narrenbuch, in dem so manche Missgeschicke, die das Jahr über passiert sind, festgehalten sind. Das ist ein Vergnügen! Und wenn der Narr dann geht, bedankt und verabschiedet man sich mit einem Juzgen.

Gewiss, die Rotteiler Fasnet lebt vom Sich-kennen und von Beziehungen. Für Besucherinnen, die keinen Bezug zu Rottweil haben, erschließt sich der Zauber vielleicht nicht ganz so leicht. Am schönsten ist es, mit jemand aus Rottweil an der Straße zu stehen. Dann kommen viele Narren her und man kann so manchen Geschichten lauschen und darf vielleicht auch mal schnupfen. Aber auch wen man niemand kennt, wenn man sich auf die Fasnet einläßt, es gibt vieles zu sehen, zu beobachten, Vergnügen haben.

Ein paar Tipps:

Niemals vom Umzug sprechen – es ist der Narrensprung! Ebensowenig von Masken – die Rotweiler Narren tragen Larven

Der Rottweiler Narrenruf ist das Juzgen „Hu-Hu-Hu“. Er schreibt sich zwar so einfach, ist in Wirklichkeit aber eigentlich nicht schreibbar – er muss einfach gehört werden. Also zuhören , wie gejuzgt wird und einfach ausprobieren – jede und jeder juzgt anders!

Die Rotteiler Narren gelten als geizig – aber sie müssen auch alle Süßigkeiten während des Sprunges selber tragen. In die Schnupfdose nicht ungefragt hineingreifen, und wenn der Narr die Schnupfdose hinhält, nur ein Stück herausnehmen.. Manche Narren werfen auch Gutsle – Bonbons- für die Kinder aus. Je phantasievoller die Kinder verkleidet und geschminkt sind, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit auf größere Beute. Und am besten noch dazu singen: „Narro Kugelrund, d´Stadtleit sind wieder älle g´sund“ oder -: „O Jerum, o jerum die Fasnet hat a Loch“ aber diesen Vers erst am Dienstagnachmittag!

Und ein Tipp für die , die nicht so gerne so früh aufstehen mögen: : Am Dienstagnachmittag um 14.00 Uhr gibt´s auch noch einen Narrensprung.

Eine glückselige Fasnet!

weitere Infos:

www.narrenzunft-rottweil.de

Oder in dem wunderschönen „illustrierten Fasnetsbuch für klein und groß“ von Ira hugger und Rita Efinger -Keller (woraus auch manches in diesen Text eingeflossen ist). Zu beziehen über www.rottweiler-fasnetsbuch.de

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Zuletzt geändert am: 6. Februar 2015